Hotel Paradiso – Früher Tourismus im Hochgebirge

Es liegt auf 2160m Meereshöhe inmitten hochalpiner Bergwelt und verfällt still vor sich hin. Das Albergo Sportivo Valmartello al Paradiso del Cevedale, ein wichtiges architektonischesTou Werk der italienischen Moderne und des Fortschrittsglaubens. Wohl-habenden Gästen eines aufstrebenden Italiens sollte eine Oase des Luxus inmitten unberührter alpiner Natur geboren werden.

EIN ZEITDOKUMENT

Das 8-seitige Hotelprospekt aus dem Jahre 1937 informiert in Italienisch, Deutsch, Englisch und Französisch über das Hotels und die Umgebung und stellt ein frühes Zeitdokument für die Anfänge des Tourismus und der Tourismuswerbung dar.

Prospekt Hotel Paradiso 1937 - UmschlagseitenHotelprospekt 1937 - S. 2 & 3Hotelprospekt 1937 - S. 6 & 7

Hotelprospekt aus dem Jahre 1937

GESCHICHTE – DIE ANFÄNGE

Im deutschsprachigen, hinteren Martelltal, inmitten der hochalpinen Natur, umgeben von Dreitausendern und weit von jeglichen städtischen Zentren und den umliegenden Dörfern entfernt, sollte ein Alpin- und Sporthotel für wohlhabende italienische Gäste mit luxuriöser und stilvoller, eigens für das Hotel entworfener Ausstattung gebaut werden – ein gewates und doch auch ein visionäres Unternehmen. Die faschistische Regierung Mussolinis unterstützte die Pläne und das italienische Fremdenverkehrsministerium nahm sich der Realisierung an. Einer der bekanntesten Architekten und Designer, Gio Ponti wurde mit der Planung und Durchführung beauftragt. Das Projekt galt als Symbol des Fortschrittsglaubens und zeigt den Tatendrang der durch das Regime gestärkten und zu Wohlstand gelangten Wirtschafts- und Finanzeliten jener Zeit. Die politische Aufbruchstimmung jener Zeit, der Glauben an die Technik und an den Fortbestand der politischen Stabilität ließ viele von Projekten träumen die bisher als undenkbar galten. Viele von diesen Projekten kamen aus der Planungsphase nie heraus, viele scheiterten an der Finanzierung oder an den geänderten politischen Verhältnissen – das Hotel im hintersten Martelltal wurde jedoch tatsächlich realisiert. Ohne Zweifel lag in einem solchen Projekt vor allem symbolische Bedeutung, die vor allem anderen politisch genutzt werden sollte.

BEGINN UND NIEDERGANG

Nach der Fertigstellung des Hauses stand im hinteren Martelltal, auf über 2.000 m inmitten von Zirbelkiefern und großen Lärchen das Albergo Sportivo “Valmartello” nel Paradiso del Cevedale, genannt Hotel Paradiso. Moderne Architektur, ein für jene Zeit und Ort ungewöhnlich moderner Anblick mit Pultdach und geschwungener Fassade, von Gio Ponti entworfene edle Inneneinrichtung, kein Zimmer glich dem anderen – schließlich sollte es die an Wohlstand gewohnten Gäste zufriedenstellen.  Nur kurze Zeit konnte das Hotel jedoch seinen Betrieb aufrecht erhalten. Als der zweiten Weltkrieg ausbrach, wurde es geschlossen. 1943 besetzte die deutsche Wehrmacht und die SS den Bau – sein Verfall und die Vernachlässigung begannen also bereits nach wenigen Jahren des Bestehens. Nach dem Krieg wurde der Hotelbetrieb kurz wieder aufgenommen, bevor das Hotel 1946 endgültig in Konkurs ging. Anfang der fünfziger Jahre kaufte es ein venezianischer Reeder, übermalte die ursprüngliche grüne Farbe der Fassade mit einem leuchtenden Rot (Rosso Veneziano) und nahm einige Umbauten vor, die jedoch nie abgeschlossen wurden. Seit 1955, also seit nunmehr 50 Jahren verfällt der leerstehende und architektonisch äußerst interessante Bau zusehends. Heute befindet es sich in Besitz einer Südtiroler Industriellen.

Veröffentlicht am 18. November 2010
um 18:30 von Mare

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Kategorien Gonda History

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